Vitamin B12 in Bio-Zahnpasta

1. Oktober 2018
5 Min.

Damit die tägliche Einnahme eines Vitamin B12-Präparates zur Mangelvorbeugung nicht vergessen wird, bietet es sich an, diese mit einer alltäglichen Angewohnheit zu verbinden. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Zähneputzen? Denn, ja – es gibt Zahnpasta, welche Vitamin B12 beinhaltet und zur regelmäßigen B12-Versorgung beitragen kann.

Eine Frau putzt sich mit einer Vitamin B12 angereicherten Zahnpasta die Zähne.

Vorteile der Vitamin B12-Zahnpasta

Eine mit Vitamin B12 angereicherte Zahnpasta funktioniert über das sublinguale („unter der Zunge liegend“) Prinzip. Der Wirkstoff gelangt wie bei Lutschpastillen über die Schleimhaut unterhalb der Zunge in den Organismus.

Die Zahncreme zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • eine längere Kontaktzeit mit der Mundschleimhaut
  • die unmittelbare Aufnahme in die Blutbahn
  • die Einfachheit der Anwendung
  • die Eignung für Veganer (da keine tierischen Produkte verwendet werden)

Die B12-Zahnpasta ist zwar teurer als herkömmliche Zahnpasten1, doch kann bei dieser Darreichungsform die Vitamin-B12-Zufuhr in einen alltäglichen Vorgang integriert werden.

Nachgewiesene Wirksamkeit der B12 Zahnpasta

2016 führte das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) in Gießen eine Studie durch: Getestet wurde die Wirksamkeit von mit Vitamin B12 angereicherten Zahnpasten auf den Vitamin B12-Status von Veganern.2 Ziel war die Untersuchung der Wirkung einer mit Vitamin B12 angereicherten Zahnpasta im Vergleich zu einer Placebo-Zahnpasta. Gemessen wurde der Holo-Transcobalamin-Wert im Blut. Der Versuch fand über einen Zeitraum von zwölf Wochen statt. 90 vegan lebende Probanden nahmen an der Studie teil und wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine erhielt eine B12-Zahnpasta (Studiengruppe), die andere eine Placebo-Zahncreme (Kontrollgruppe). Zu Beginn und nach den zwölf Wochen nahm Wissenschaftler den Testpersonen Blut ab.2

Der Holo-Transcobalamin-Test misst nur das verwertbare, im Blut an ein Transportprotein (Transcobalamin) gebundene, „aktive“ Vitamin B12 und ist damit sehr aussagekräftig. Erniedrigtes Holo-TC zeigt bereits die Entleerung des B12-Speichers an. Die diagnostische Verwendung von Holo-TC erlaubt frühzeitig therapeutische Schritte – bevor Mangelerscheinungen auftreten.

Die getestete Zahnpasta sollte bei zweimaligem Putzen am Tag insgesamt etwa 3,0 Mikrogramm Vitamin B12 (Cyanocobalamin, das synthetische Cobalamin) an die Mundschleimhaut abgeben.2 Die Ergebnisse am Ende der Studie zeigen, dass sich die Vitaminspiegel der Probanden, welche die B12-Zahnpasta verwendet haben, deutlich verbesserten. Die Zahlen für Holo-Transcobalamin – der sensibelste der drei gemessenen Indikatoren – habe sich im Durchschnitt verdoppelt. Die Holo-Transcobalamin-Werte der Vergleichsgruppenteilnehmer wiesen hingegen kaum Veränderungen auf. Damit können die Ergebnisse der vorangegangenen und im Jahre 2011 durchgeführten Pilotstudie, welche bloß fünf Wochen dauerte, untermauert werden.2

Fazit: Das Zähneputzen mit der Vitamin-B12 angereicherten Zahnpasta eignet sich als Maßnahme zur B12-Supplemtierung und bietet eine weitere Möglichkeit neben den bekannteren Nahrungsergänzungsmitteln.

Aktive und Passive Aufnahme von Vitamin B12

Um die Funktionsweise der Vitamin B12-Zahnpasta besser zu verstehen, sollen an dieser Stelle noch einmal die zwei verschiedenen Aufnahmemöglichkeiten des Vitamins erklärt werden.

Aktive Aufnahme

Kurz gesagt: Bei dieser Variante wird das Vitamin von anderen Stoffen im Körper erfasst und transportiert. Durch die Nahrung gelangt das überwiegend an tierische Proteine gebundene Vitamin B12 in den Magen. Hier hat der sogenannte Intrinsic Factor seinen Einsatz. Das Eiweiß bindet sich im Dünndarm an das Cobalamin und begleitet es anschließend bis zur Dünndarmwand, wo die Übertragung von Vitamin B12 in den Blutkreislauf erfolgt. Bei der aktiven Aufnahme braucht das Cobalamin somit einen „Mitspieler“, um ans Ziel zu kommen.

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Passive Aufnahme

Der Körper ist auch in der Lage, sich das lebenswichtige Vitamin B12 unabhängig von dem zuvor beschriebenen Prozess und ohne den Intrinsic Factor anzueignen. Das Vitamin findet entweder über direkte Injektion in den Muskel seinen Weg bis ins Blut. Oder aber es wird eine sehr hohe Dosis oral zugeführt, zum Beispiel über Dragees. In diesem Fall ist so viel Cobalamin im Verdauungstrakt, dass der Körper automatisch für ein Gleichgewicht sorgt, das heißt, die Substanz gelangt ohne Energieaufwand durch die Dünndarmwand (Diffusion).

Bei der B12-Zahnpasta geschieht der passive Transport durch die dünnen Schleimhäute im Mundraum und vor allem unter der Zunge.

Diese Art der Aufnahme ist weit weniger störungsanfällig und damit sicherer, lediglich die Menge des im Organismus ankommenden B12s ist geringer. Wird bewusst die passive Aufnahme angestrebt, sollte also eine besonders hohe Dosis an B12, zum Beispiel via Dragees, zugeführt werden. Angeraten wird eine Dosierung von 1.000 Mikrogramm.3

Carolin Stollberg
Medizinredakteurin
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