Intrinsic Factor – inwiefern er Vitamin B12 unter die Arme greift

4. Februar 2019
6 Min.

Hinter der Bezeichnung Intrinsic Factor verbirgt sich ein Transporteiweiß, das Ihrem Körper überaus dienlich ist. Besondere Beachtung findet der intrinsische Faktor bei der Vitamin B12-Aufnahme. Doch warum genau? Und was können Sie tun, wenn Sie einen Mangel an Intrinsic Factor haben?

Chemische Struktur des intrinischen Faktors, der für die Vitamin B12 Aufnahme zuständig ist.

Lernen Sie den Intrinsic Factor kennen

Der Intrinsic Factor beziehungsweise intrinsische Faktor spielt in Ihrem Organismus eine wichtige Rolle bei der weiteren Verarbeitung von Vitamin B12 – von Medizinern auch Cobalamin genannt. Fachleute beschreiben mit dem Begriff Intrinsic Factor ein bestimmtes Eiweiß (Protein), welches in den Zellen der Magenschleimhaut gebildet wird.

Wissenswert

Vitamin B12 erfüllt viele wertvolle Aufgaben in Ihrem Körper. Unter anderem ist die Substanz förderlich für die Zellerneuerung, den Eiweiß- und Fettstoffwechsel, die Blutbildung sowie Nervenzellabläufe. Dem Organismus ist es nicht möglich, Vitamin B12 selbst zu produzieren. Demzufolge können Sie Cobalamin nur über die Nahrung aufnehmen. Eine erwachsene Person benötigt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 3,0 Mikrogramm Vitamin B12 täglich.1 Etwa diese Menge steckt in zwei großen Eiern.

Ohne den Intrinsic Factor ist vor allem die aktive Resorption von Vitamin B12 nicht denkbar. Bei einer Resorption handelt es sich um einen Ablauf, durch den der Organismus Stoffe wie Vitamine aufnimmt. Dabei behilflich sind ihm lebende Gewebe (zum Beispiel Nervengewebe) oder Zellen (beispielsweise Eiweißzellen).

Intrinsischer Faktor und die aktive Vitamin B12-Aufnahme

Wenn Sie Ihren Körper über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B12 versorgt haben, kann dieser das zugeführte Cobalamin aktiv und passiv in sich aufnehmen.

Für die aktive Verarbeitung ist der Intrinsic Factor von Nöten. Das Eiweiß bindet sich im Dünndarm an das Cobalamin und begleitet es anschließend wie ein Leibwächter bis zur Dünndarmwand. Denn an diesem Ort erfolgt die Übertragung von Vitamin B12 in den Blutkreislauf.

Von einer passiven Cobalamin-Aufnahme über die Dünndarmwand sprechen Fachleute dann, wenn der Intrinsic Factor bei dieser nicht beteiligt war. Mit anderen Worten hilft er hier nicht aktiv mit. Das ist allerdings meist nur dann möglich, wenn dem Organismus große Mengen an B12 zur Verfügung stehen. Daher können Menschen, die regelmäßig ihren Cobalamin-Bedarf decken, auch viel eher mit dieser passiven Aufnahmevariante rechnen.

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Intrinsic Factor: Welche Konsequenz hat ein Mangel?

Ein intrinsischer Faktor ist nicht unbedingt selbstverständlich. Es gibt durchaus Personen, die einen Mangel an Intrinsic Factor haben. Dazu kommt es, wenn die Magenschleimhautzellen das wichtige Protein nicht mehr (ausreichend) herstellen. Gründe, die einen Mangel an Intrinsic Factor mitunter herbeiführen, sind zum Beispiel:

  • bestimmte Medikamente, welche die Magensäureproduktion hemmen
  • Magen-Darm-Trakt betreffende Autoimmunerkrankungen (Krankheiten, bei denen sich der Körper selbst angreift wie etwa Morbus Crohn – chronische Entzündung des Magen-Darm-Traktes)
  • übermäßiger Alkoholkonsum (zu viel Alkohol bereitet nicht nur der Leber, sondern auch dem Magen Probleme)
  • Magenresektionen (Entfernung von Teilen des Magens beispielsweise aufgrund von Krebs)
  • Magenschleimhautentzündungen
  • Typ-A-Gastritis (autoimmune Erkrankung und chronische Magenschleimhautentzündung)

Die Typ-A-Gastritis gehört zu den Ursachen, welche sehr häufig einen verminderten Intrinsic Factor mit sich bringen. Denn das eigene Immunsystem greift die Zellen der Magenschleimhaut an, die den intrinsischen Faktor herstellen.

Zu den häufigsten Folgen eines Mangels an Intrinsic Factor gehört eine Vitamin B12-Unterversorgung. Charakteristisch für diese sind unter anderem Müdigkeit, Antriebslosigkeit sowie Konzentrationsschwäche.

Perniziöse Anämie: Folge eines Vitamin B12-Mangels?

Die Perniziöse Anämie ist eine besondere Variante einer Blutarmut (Anämie). Ganz einig sind sich die Wissenschaftler noch nicht. Jedoch gehen einige davon aus, dass diese Form der Anämie durch einen Cobalaminmangel ausgelöst wird. Daher lautet eine weitere Bezeichnung für die genannte Beschwerde auch Vitamin B12-Mangelanämie. Zum besseren Verständnis: Cobalamin wirkt unter anderem bei der Blutbildung mit.

Vitamin B12-Mangel – so lässt er sich bei einem verminderten Intrinsic Factor vermeiden

B12 zählt zu den Vitaminen, welche für Ihre Gesundheit von großer Bedeutung sind. Ein Mangel an Intrinsic Factor und in der weiteren Folge Cobalamin macht sich beispielsweise durch Symptome wie

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • Konzentrationsstörungen oder
  • blasse Haut bemerkbar.

Menschen, bei denen eine aktive Vitamin B12-Aufnahme nicht mehr möglich ist, weil sie einen verminderten intrinsischen Faktor haben, können einen Vitamin B12-Mangel unter Umständen vermeiden. Beispielsweise kann Ihnen ein Arzt Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, die hohe Dosen an Vitamin B12 enthalten.

Bewährt in Sachen allgemeiner Prävention eines Cobalamin-Mangels hat sich vor allem eins: die ausreichende Aufnahme von Vitamin B12 über Nahrungsmittel wie Milch, Eier oder Fleisch. Mindestens der Tagesbedarf sollte regelmäßig gedeckt sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, greifen Betroffene oft auch auf Nahrungsergänzungsmittel mit Cobalamin zurück. Denn nur, wenn Vitamin B12 in größeren Mengen im Magen ankommt, ist es Ihrem Organismus möglich, den hilfreichen Nährstoff auch über die passive Methode ausreichend aufzunehmen und in der Leber zu speichern.

Regina Lopes Bombinho Brandt
Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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