Vitamin B12: Präparate zur Nahrungsergänzung

16. September 2019
11 Min.

Tabletten, Sprays, Kapseln – es gibt sie in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichen Wirkstoffen: Vitamin-Präparate. Hier erfahren Sie, warum Sie besonders auf Ihren Vitamin B12-Haushalt achten sollten, und gewinnen einen umfassenden Überblick über die einzelnen Darreichungsformen von Vitamin B12-Präparate.


Im Überblick:


Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel zur Behebung eines Vitamin B12-Mangels.

Warum Vitamin B12-Präparate? Die Bedeutung des Vitamins für den Körper

Um die Frage zu beantworten, warum ein B12-Supplement ergänzend eingenommen werden sollte, ist es zunächst wichtig, die Bedeutung des Nährstoffs für den Organismus zu verstehen. Wir brauchen Vitamin B12 für verschiedene Prozesse in unserem Organismus. Es ist zum Beispiel an der Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark und am Eiseneinbau in diese beteiligt. B12 wird zudem beim Stoffwechsel von Folsäure, genauer für die Umwandlung in eine aktive und damit verwertbare Form (Folat), benötigt. Außerdem für die Synthese von Myelin, dies bildet eine wichtige Schutzschicht für die Nervenstränge des Rückenmarks und des Gehirns. Auch die erfolgreiche Zellteilung hängt sehr stark von der Versorgung mit Vitamin B12 ab.

Vitamin B12 und Folsäure

Die beiden Substanzen regulieren die Homocystein-Menge im Körper. Homocystein ist eine natürlich im Organismus vorkommende Aminosäure, die als Grundbaustein für Proteine (Eiweiße) gebraucht wird. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel stellt jedoch ein gesundheitliches Risiko dar, denn es wirkt sich blutgefäßschädigend aus.

Im Umkehrschluss hat ein Mangel an Vitamin B12 zur Folge, dass die oben vorgestellten Vorgänge nicht ordentlich ablaufen. Die Konsequenzen können eine spezielle Form der Blutarmut (perniziöse Anämie, bei welcher die Bildung der roten Blutkörperchen gestört ist), ein Mangel an funktionsfähiger Folsäure, unzureichender Schutz für Nerven und Gehirn sowie eine erschwerte Zellentwicklung sein.

Normalerweise lässt sich der Vitamin B12-Bedarf gut decken, in erster Linie über Lebensmittel tierischen Ursprungs. Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind wichtige Vitamin B12-Lieferanten. Doch gibt es einige Faktoren, wie zum Beispiel Magen-Darm-Erkrankungen, welche die Aufnahme des lebensnotwendigen Vitamins erschweren und letztendlich zu einem Mangel führen können. Die Einnahme von Vitamin B12-Präparaten wirkt dem entgegen.

Wer Vitamin B12 supplementieren sollte

Vitamin B12-Präparate sind überall dort als Nahrungsergänzung gedacht, wo die herkömmliche Ernährung keine zuverlässige Versorgung gewährleistet. Das kann der Fall sein, wenn zum Beispiel eine durch Magen-Darm-Entzündungen oder Gendefekte bedingte Aufnahmestörung vorliegt. Das Vitamin gelangt dann nicht über die Dünndarmwand in die Blutbahn.

    Diese Faktoren beeinträchtigen die Vitamin B12-Aufnahme im Magen-Darm-Bereich:

  • Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmkrankheit)
  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmkrankheit)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Überwucherung der Darmflora mit Keimen
  • operative Entfernung von Darmabschnitten

Doch es gibt auch noch andere Gründe für eine verminderte Zufuhr von Vitamin B12. Bei einer Transport- und Stoffwechselstörung sind die Enzyme des B12-Stoffwechsels von einem Gendefekt betroffen und so gelangt das lebensnotwendige Vitamin nur unzureichend in die Zellen. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel im Blut weist häufig auf einen durch Medikamente bedingten B12-Mangel hin. Der Körper benötigt für den Homocystein-Stoffwechsel Vitamin B12. Fehlt dieses Vitamin, kann Homocystein nicht weiter verwertet werden und steckt in einer Sackgasse, was den Wertanstieg begründet. Ein zu hoher Homocystein-Spiegel trägt zur Entstehung von Schlaganfällen, Makuladegenerationen (Erkrankungen des Auges), Herzinfarkten und Bluthochdruck bei.

Ein Defizit an B12 kann auch durch Medikamente hervorgerufen werden. Zu den Präparaten, die unter Umständen einen Mangel auslösen, gehören:

  • Antidiabetika (Medikamente zur Behandlung von Diabetes),
  • Antazida (Medikamente gegen Sodbrennen),
  • Antikonvulsiva (Medikamente zur symptomatischen Dauerbehandlung von Krampfanfällen durch Erkrankungen wie Epilepsie),
  • Narkotika (Narkose- und schmerzlindernde Mittel) und
  • Cholesterinsenker.

Perniziöse Anämie (schädliche, verderbende Blutarmut) ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung und erfordert ein lebenslanges Einnehmen eines Vitamin B12-Supplements. Bei dieser Form der Blutarmut ist die Bildung des Transportproteins Intrinsic Factor gestört. Das Protein (Eiweiß) wird für die aktive Aufnahme von B12 gebraucht, denn das Eiweiß schützt das säureempfindliche Vitamin und transportiert es zur Dünndarmwand, wo es dann in die Blutbahn übertragen wird.

Nicht nur Erkrankungen und Störungen können eine mangelhafte B12-Zufuhr hervorrufen, die bewusste Entscheidung zu einer bestimmten Ernährungsweise führt ebenfalls häufig dazu. Allen voran sind Veganer und Vegetarier von B12-Störungen betroffen. Des Weiteren haben Schwangere und stillende Frauen einen erhöhten Bedarf an Vitamin B12, genauso wie Kinder von Müttern mit B12-Mangel. Da ältere Menschen für Aufnahmestörungen besonders anfällig sind und die Menge des Transportproteins Intrinsic Factor im Alter abnimmt, ist auch hier verstärkt auf eine ausreichende Zufuhr mit Vitamin B12 zu achten.

Vitamin B12 kann auf unterschiedliche Weise ergänzend aufgenommen werden. Die gängigste erfolgt wohl in Form von Mitteln zur Nahrungsergänzung. Dabei kommen in den B12 Supplementen verschiedene Substanzen zum Einsatz.

Die Inhaltsstoffe von Vitamin B12-Präparaten

Vitamin B12 wird auch Cobalamin genannt und liegt als Präparat zur B12-Supplementierung in verschiedenen Formen vor, es gibt natürliche wie auch synthetische. Die Inhaltsstoffe kommen in Vitamin B12-Päparaten einzeln oder auch in Kombination zur Anwendung.

Welche Substanzen sind in Vitamin B12-Präparaten zu finden?

  • Cyanocobalamin
  • Methylcobalamin
  • Adenosylcobalamin
  • Hydroxocobalamin

Cyanocobalamin ist ein synthetischer Inhaltsstoffe, welcher in der Natur nicht zu finden ist. Er ist relativ stabil, kostengünstig, leicht zu produzieren und gut haltbar, weswegen er häufig Verwendung findet. Zu den natürlichen Formen zählen Methylcobalamin, Adenosylcobalamin und Hydroxocobalamin.

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Dosierung von Vitamin B12-Präparaten

Eine Überdosierung mit Vitamin B12 bei der Nahrungsergänzung ist quasi unmöglich, denn der Körper scheidet automatisch unverwertete Reste aus. Dennoch sollte auf eine sinnvolle Dosierung geachtet werden, um das Vitamin-Gleichgewicht des Körpers zu schonen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine Tagesdosis von 4,0 Mikrogramm Vitamin B12.1 Nahrungsergänzungsmittel sind meist viel höher dosiert, weil nur ein Teil der enthaltenen Menge wirklich vom Körper aufgenommen und verwertet wird. Nachstehend finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Dosierungen. Am Anfang steht die tägliche Dosis, es folgt die Angabe, für wen diese Menge gedacht ist, und in Klammern finden Sie den jeweiligen Tagesbedarf:

  • 3 bis 50 Mikrogramm (µg): Zur Deckung des Tagesbedarfs bei gesunden Menschen (4 µg für Jugendliche und Erwachsene ab 15 Jahren)2 mit omnivorer Ernährung (Allesesser).
  • 100 bis 250 Mikrogramm: Nahrungsergänzung bei gesunden Menschen, welche geringe Mengen Fleisch konsumieren sowie für Vegetarier und Veganer mit störungsfreier Darmfunktion und normalem B12-Bedarf.
  • 251 bis 500 Mikrogramm: Empfehlung bei leichten Aufnahmestörungen sowie für Frauen in der Schwangerschaft oder Stillzeit (4,5 µg beziehungsweise 5,5 µg pro Tag)2, für Menschen mit starkem Stressempfinden sowie für Sportler.
  • 501 bis 3.000 Mikrogramm: Abdeckung des täglichen B12-Bedarfs bei schweren Mangelsymptomen und Aufnahmestörungen, bei Erkrankungen und zum Auffüllen der B12-Speicher im Rahmen der Anfangstherapie.
  • Bis 5.000 Mikrogramm: Als Kurzzeittherapie über 4 bis 6 Wochen zum schnellen Auffüllen der geleerten Körperspeicher.3

Bitte beachten Sie, dass diese Auflistung zur allgemeinen Information gedacht ist und Sie bei Verdacht auf B12-Mangel unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen sollten. Er kann Ihnen bei der Klärung weiterhelfen und die für Sie geeignete Dosierung von Vitamin B12-Präparaten herausfinden.

Die Darreichungsformen von Vitamin B12-Präparaten

Vitamin B12 wird zur Nahrungsergänzung in vielen verschiedenen Varianten angeboten: als Kapseln, Tabletten, Pulver, Strips, Tropfen, Sprays und Sirup. Dabei bringen die jeweiligen Vitamin B12-Präparate unterschiedliche Vorteile mit sich. So kann jeder Betroffene individuell nach Belieben und Anforderungen das für sich am besten geeignete Ergänzungspräparat auswählen.

Tabletten

Die unter den Präparaten wohl aufgrund ihrer einfachen und bequemen Einnahme am häufigsten gewählte Form ist die Vitamin B12-Tablette. Zu beachten ist, dass diese Vitamin B12-Präparate Zusatzstoffe wie Laktose und Gelatine beinhalten: Laktose vor allem in Lutschtabletten und Gelatine als Tablettenüberzug. Veganer, die ihren Vitamin B12-Haushalt über Tabletten sichern wollen, können sich zum Beispiel anm V-Label der „European Vegetarian Union“ (grüne Schrift auf gelbem Grund) orientieren.

Kapseln

Eine weitere Möglichkeit, den Vitaminspeicher kontrolliert anzureichern, sind B12-Kapseln. Diese sind sehr hoch dosiert und bieten sich besonders für die Anfangstherapie an. Es wird der reine Wirkstoff eingenommen, was Kapseln für Veganer zu einer sicheren Alternative zu Tabletten macht.

Sublinguale Präparate

Die Vitamin B12-Zufuhr über die Mundschleimhaut bietet sich vor allem an, wenn eine Aufnahmestörung im Magen-Darm-Trakt vorliegt. Dabei gibt es verschiedene Präparate, die über das sublinguale, „unter der Zunge liegende“ System funktionieren:

  • Lutschtabletten
  • Tropfen
  • Sirup
  • Sprays
  • Strips (Plättchen, die unter die Zunge gelegt werden)

Ihnen ist allen gemein, dass der Wirkstoff bereits im Mund aufgenommen werden kann und sie in der Handhabung sehr unkompliziert sind. Ähnlich wie die Tabletten gibt es sie aber häufig nur in Kombination mit Geschmacks- und anderen Zusatzstoffen.

Carolin Stollberg
Medizinredakteurin
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