Vitamin B12 — Demenz und Alzheimer vorbeugen

4. Februar 2019
7 Min.

Vitamin B12 (Cobalamin) zählt zu den essenziellen Vitaminen, die für den Körper sehr wichtig sind und über die Nahrung zugeführt werden. Vor allem bei Stoffwechselvorgängen oder der Bildung von Blut, hat es eine tragende Rolle. Trotzdem belegen Studien, dass etwa ein Viertel der Menschen über 65 Jahre nicht genügend mit Vitamin B12 versorgt sind.1 Die Folgen eines Vitamin-B12-Mangels können gravierend sein und Nervenkrankheiten wie Demenz oder Alzheimer begünstigen.

Ältere Dame möchte einen Mangel an Vitamin B12 vermeiden, um Demenz vorzubeugen.

Symptome des Vitamin B12-Mangels und Risiko für Demenz & Alzheimer

Eine zu geringe Aufnahme von Vitamin B12 sorgt meist für sehr vielfältige und unspezifische Beschwerden. Bevor es zu Folgen wie Alzheimer oder Demenz kommt, wird zunächst die körpereigene Vitamin B12-Reserve in der Leber aufgebraucht. Dies geschieht in der Regel über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren2 – währenddessen muss eine konstante Unterversorgung mit Vitamin B12 stattfinden. Umso bedenklicher ist, dass dies bei jedem vierten Deutschen im Seniorenalter der Fall ist.1

Schon gewusst?

Demenz ist eine chronische und allmählich fortschreitende Gehirnerkrankung, die meist einen Verlust der geistigen Fähigkeiten (Wahrnehmung, Denkvermögen und Gedächtnis) verursacht. Es gibt verschiedene Formen der Demenz, wobei die Alzheimer-Demenz zu den häufigsten zählt. Hierbei handelt es sich um eine Ausprägung der Demenz, die man im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch meist mit Alzheimer abkürzt.

Die Symptome des Vitamin B12-Mangels entwickeln sich über diesen Zeitraum schleichend. Häufig sind folgende Bereiche davon betroffen:

  • Blut: Blutbildveränderungen (zum Beispiel Verringerung der roten oder weißen Blutkörperchen), Blutarmut
  • Haut und Gewebe: Atrophie der Schleimhäute (Gewebsschwund), blasse Haut, braune Färbung der Haut
  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Außerdem sind auch eher allgemeine Symptome wie Antriebsarmut, Schwäche oder Kreislaufprobleme möglich.

Bei Betroffenen eines Mangels an Vitamin B12 treten zudem oftmals nervliche oder psychische Symptome auf, wie zum Beispiel die funikuläre Myelose. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems und insbesondere des Rückenmarks; wobei die Beschwerden angefangen bei Sensibilitätsstörungen (pelziges Gefühl oder Kribbeln in den Gliedmaßen) und Unsicherheiten beim Gehen bis hin zu Verwirrtheit, psychotischen Zuständen oder auch Demenz reichen können.

Ursachen für Vitamin B12-Mangel bei Senioren

Die häufig vorherrschende mangelhafte Zufuhr von Vitamin B12 bei Menschen gehobenen Alters und das damit steigende Risiko einer Erkrankung mit Alzheimer oder anderen Formen der Demenz, ist meist auf eine sogenannte Resorptionsstörung des Vitamins zurückzuführen.

Bei der Resorption handelt es sich um einen Vorgang im Darmtrakt des menschlichen Körpers, bei dem flüssige oder gelöste Nährstoffe über die Schleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Liegt zum Beispiel eine Nahrungs-Cobalamin-Malabsorption vor, also eine Störung der Aufnahme von Vitamin B12 im Darm, führt das oft zu einem Mangel an B12. Diese Resorptionsstörung ist gerade unter älteren Menschen und Senioren sehr verbreitet.

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Gleichzeitig können sich zudem andere Erkrankungen wie eine Magenschleimhautentzündung, Entzündungen des Darmes oder eine Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse negativ auf die Aufnahme von Vitamin B12 auswirken und Nervenkrankheiten wie Demenz fördern.

Menschen, die einen Magenbypass (operativ eingesetzte Umgehung des Magens) haben, sehr regelmäßig Alkohol konsumieren oder bestimmte Arzneimittel einnehmen, sind ebenfalls gefährdet von einem Mangel an Vitamin B12 betroffen zu sein. Zu diesen Arzneimitteln zählen:

  • Präparate zur Reduktion der Magensäure (Protonenpumpenhemmer)
  • Medikamente zur Neutralisierung von Magensäure (Antazida)
  • Antidiabetika (zum Beispiel Metformin)
  • Gichtmittel (beispielsweise Colchicin)
  • Präparate zur Senkung der Blutfettwerte (Lipidsenker)
  • Antibiotika (zum Beispiel Aminoglykoside, Neomycin, Chloramphenicol)

Der Zusammenhang zwischen einer mangelhaften Ernährung von Vitamin B12 und Erkrankungen wie Alzheimer und anderen Formen der Demenz, wurde mittlerweile in verschiedenen unabhängigen Studien nachgewiesen. Ein Beispiel dafür ist eine Untersuchung aus Deutschland mit 160 Personen gehobenen Alters, bei denen ein Verdacht auf Demenz vorliegt. Hier konnte unter anderem belegt werden, dass bei 30 Prozent der Betroffenen mit einer neu diagnostizierten Demenzerkrankung und bei 18 Prozent von Betroffenen mit einer bereits diagnostizierten Erkrankung behandelbare Ursachen zugrunde liegen.3 Das bedeutet, dass eine rechtzeitige Gegensteuerung, beispielsweise durch eine Zuführung von Vitamin B12, möglicherweise einem Ausbruch der Demenz hätte entgegenwirken können.

Behandlung und Therapie des Vitamin-B12-Mangels zur Vermeidung von Demenz

Bei Betroffenen mit einem Verdacht auf Demenz oder Alzheimer wird in der Regel zunächst eine Messung des Vitamin-B12-Spiegels empfohlen. Je früher man einen möglicherweise bestehenden Mangel entdeckt, desto wirkungsvoller können entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet sowie schwerwiegende und unumkehrbare Folgen vermieden werden. Um das Vitamin B12 im Körper zu messen, gibt es eine Reihe verschiedener Testverfahren, wie zum Beispiel die Messung des Vitamins im Blut (Blutserum-Test) oder die Ermittlung von Methylmalonsäure im Urin. Diese sammelt sich bei einem Vitamin-B12-Mangel im Körper an und ist in der Folge nachzuweisen.

Stellt der Arzt einen Mangel frühzeitig fest, leitet er für gewöhnlich einerseits eine Ernährungsumstellung auf Lebensmittel mit einem hohen Vitamin B12-Gehalt ein. Andererseits initiiert er meist auch eine zweistufige Substitutionstherapie. In der ersten Stufe (Anfangstherapie) führt man dem Körper das fehlende Vitamin B12 durch hochdosierte Verabreichung, entweder über oral eingenommene Präparate oder Injektionen zu. Auf diese Weise wird der körpereigene Speicher in der Leber wieder aufgefüllt.

Die zweite Stufe sorgt dann für einen Erhalt des Vitamin B12-Spiegels (Erhaltungstherapie) und die regelmäßige Deckung des Tagesbedarfs von durchschnittlich 3 Mikrogramm Cobalamin pro Tag.4 Liegt beim Betroffenen allerdings eine Aufnahmestörung durch den Dünndarm vor, gehen einige Experten davon aus, dass die verabreichte Dosis an Vitamin B12 deutlich zu erhöhen ist. Durch die Verminderung der Aufnahmefähigkeit im Dünndarm geht nämlich ein großer Teil der Wirkstoffe verloren, weshalb die generelle Menge und damit die Chance der Aufnahme des Vitamins erhöht wird.

Jan Zimmermann
Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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