Das hat ein B12-Mangel mit Nervenschäden zu tun

28. September 2018
6 Min.

Ein B12-Mangel sollte nicht unterschätzt werden. Fehlt dem Körper nämlich über einen längeren Zeitraum das wichtige Vitamin und wird die B12-Unterversorgung nicht behandelt, sind sogar gravierende Nervenschäden möglich. Erfahren Sie mehr rund um dieses Thema.

Eine Frau mit Nervenschäden an der Hand in Folge eines Vitamin B12 Mangels.

Warum führt ein B12-Mangel zu Nervenschäden?

Neben bedeutenden Aufgaben wie Blutbildung oder Zellteilung wird das Vitamin B12 (Cobalamin) auch für die Nerven benötigt. Der lebenswichtige Nährstoff sorgt sozusagen für den Schutz der Nervenzellen, indem er an der Bildung der Nervenhülle beteiligt ist. Diese sogenannte Myelinscheide befindet sich als eine Art Isolierschicht um Nervenfasern herum und stellt eine funktionierende und vor allem schnelle Weiterleitung von Sinneswahrnehmungen, Reizen und Befehlen sicher. Fehlt dem Körper Vitamin B12, kann die Myelinscheide nicht mehr in ausreichender Form erhalten bleiben – sie wird nach und nach zerstört. Als Folge des B12-Mangels

  • ist die Weiterleitungsfunktion der Nerven gestört sowie verlangsamt und
  • fehlt den Nerven ihre Schutzschicht, was die Fasern wiederum schädigt.

Das äußert sich zunächst zum Beispiel in Form von Kribbeln oder Taubheit in den Gliedern, kann letztendlich aber bis zu einem schweren Nervenschaden führen.

Hier kommt es bei B12-Mangel besonders häufig zu Problemen:

  • Nerven des Rückenmarks
  • Großhirnrinde
  • Sehnerven
  • periphere Nerven in den Gliedmaßen

Da Vitamin B12 auch erheblich an der Entwicklung des Gehirns und seiner Instandhaltung beteiligt ist, kann ein Cobalamin-Mangel neuropsychiatrische Erkrankungen nach sich ziehen – so zum Beispiel Demenz oder Schizophrenie.

So bemerken Sie einen B12-Mangel – bevor schwere Nervenschäden entstehen

Wird ein Vitamin B12-Mangel frühzeitig erkannt, lässt er sich relativ leicht beheben und die Nerven bleiben auf diese Weise geschützt. Angehende Nervenschäden können Sie anhand folgender Symptome feststellen:

  • Kribbeln in Händen und Füßen
  • Taubheit oder Schmerzen in den Gliedern
  • Koordinationsprobleme
  • verändertes Temperaturempfinden
  • Gangunsicherheit
  • Empfindungsstörungen
  • Schwierigkeiten mit den Reflexen
  • Muskelschwäche
  • Lähmungen
  • Sehstörungen bis hin zum Verlust des Sehvermögens

Diese Beschwerden treten je nach Ausprägung des Mangels unterschiedlich intensiv auf. Zudem sind mitunter neuropsychiatrische Anzeichen möglich, die für einen Vitamin B12-Mangel sprechen. Dazu gehören:

  • Gedächtnisschwäche
  • Demenz
  • Depressionen
  • schwere Konzentrationsprobleme
Begriffserklärung: Neuropathie

Dabei handelt es sich um einen Nervenschaden im peripheren Nervensystem, also zum Beispiel in den Armen oder Beinen. Solche Neuropathien können durchaus viele Ursachen haben, beispielsweise Diabetes mellitus oder eine Immunerkrankung. Es empfiehlt sich aber auch, bei Auftreten solcher Beschwerden den Vitamin B12-Wert von einem Arzt kontrollieren zu lassen, um möglicherweise einen unentdeckten Mangel zu diagnostizieren. Schon gewusst? Neuropathien sind häufig Begleiterscheinung einer perniziösen Anämie – die ebenfalls mit zu wenig B12 in Verbindung steht.


Findet der behandelnde Arzt einen Zusammenhang zwischen den Symptomen der Nervenschäden und einem B12-Mangel, sollten Sie umgehend eine Behebung der Unterversorgung in die Wege leiten.

Behandlung eines B12-Mangels – bevor schwere Nervenschäden entstehen

Treten die ersten Anzeichen von Nervenschäden auf, können Sie sie in der Regel noch beheben. Bleibt der B12-Mangel allerdings über Monate oder Jahre hinweg unerkannt, gelten die Nervenschäden als irreversibel – das heißt, sie lassen sich nicht mehr beseitigen. Deswegen sollten Sie schnell handeln. Suchen Sie bei ersten Symptomen möglicher Nervenschäden umgehend einen Arzt auf, der einen B12-Test durchführt. Diagnostiziert der Mediziner dabei einen geringen Cobalamin-Wert, leitet er eine Therapie ein – auch abhängig von den Auswirkungen des B12-Mangels auf die Nerven und von der Ursache der Unterversorgung.

Bei akuten Beschwerden wird der Arzt möglicherweise hochdosiertes Cobalamin spritzen. Damit steht es dem Körper schneller zur Verfügung. Des Weiteren empfiehlt er Ihnen möglicherweise im Anschluss an die Injektionstherapie, B12 in Form von Präparaten aus der Apotheke längerfristig zu supplementieren, um den B12-Speicher in der Leber erneut aufzufüllen. Bessern sich die Symptome dennoch nicht, muss der Experte in weiteren Untersuchungen herausfinden, ob eine Resorptionsstörung (Defekt bei der Aufnahme von B12 im Darm) besteht oder ob den Beschwerden eine andere Krankheit zugrunde liegt.

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B12-Mangel vorbeugen und Nerven gesund halten

Damit es erst gar nicht zu Nervenschäden aufgrund eines B12-Mangels kommt, sollten Sie immer an die ausreichende Zufuhr von Cobalamin denken. So geht’s:

  • Aufnahme über die Nahrung: Das Vitamin steht in Lebensmitteln zur Verfügung. In großen Mengen steckt B12 in tierischen Produkten, zum Beispiel Kalbsleber (60,0 Mikrogramm in 100 Gramm Fleisch) oder Hühnerei (1,0 Mikrogramm in einem mittelgroßen Ei).1
  • Supplementierung: Sie befürchten, dass Sie Ihren täglichen Bedarf von 3,0 µg (Mikrogramm) nicht decken können, weil Sie zum Beispiel Vegetarier sind oder gar einen erhöhten Bedarf aufgrund einer Schwangerschaft (3,5 µg pro Tag) haben?2 Dann sollten Sie das Vitamin in Form von B12-Präparaten zu sich nehmen. Von Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zu Zahnpasta gibt es eine große Auswahl.

Doch auch trotz einer ausreichenden Zufuhr kommt es manchmal zu einem B12-Mangel und in dem Zusammenhang zu Nervenschäden. Durch verschiedene Krankheiten, zum Beispiel eine chronische Entzündung des Magens, kann der Aufnahmeweg gestört sein. In diesem Fall ist etwa die Produktion von B12-Transportmolekülen eingeschränkt und damit auch die Verwertung von Cobalamin. Ob das auf Sie zutrifft, findet der Arzt mithilfe spezieller Tests heraus.

Monika Hortig
Medizinredakteurin
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