Der Vitamin B12-Mangel und seine Ursachen

4. Februar 2019
8 Min.

Grundsätzlich fragen sich Betroffene bei der Diagnose einer Vitamin-Unterversorgung häufig nach den Gründen: Wie ist es dazu gekommen? Was kann ich ändern? So auch bei einem Vitamin B12-Mangel: Die Ursachen hierfür sind vielfältig. In der Regel hilft es, ihnen auf den Grund zu gehen und die Auslöser genau unter die Lupe zu nehmen. Denn eine Unterversorgung lässt sich meist leicht behandeln.

Um den Ursachen eines Vitamin B12-Mangels entgegenzuwirken, isst eine Frau vitaminreiche Lebensmittel.

1. Unzureichende Zufuhr als Ursache eines Vitamin B12-Mangels

Dieser Auslöser ist wohl am einfachsten nachzuvollziehen: Nehmen wir zu wenig Vitamin B12 (Cobalamin) auf, kommt es zu einer Unterversorgung. Wichtig ist dabei zu wissen, wie der Nährstoff überhaupt zugeführt werden kann. Der Mensch nimmt Vitamin B12 über die Nahrung auf, denn er kann es nicht selbst herstellen. Es lässt sich hauptsächlich in tierischen Produkten finden, dazu zählen:

  • Fleisch, die größten Mengen zum Beispiel in Innereien
  • Milcherzeugnisse, beispielsweise in Quark oder Käse
  • Eier

B12 ist zwar auch in pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden, allerdings in irrelevanter Menge. Aus diesem Grund gilt eine rein vegane oder vegetarische Ernährung als häufige Ursache eines Vitamin B12-Mangels.

– Anzeige –

b12-ankermann-dragees

– Anzeige –

b12-ankermann-dragees

2. Erhöhter Bedarf – wenn es ein bisschen mehr sein kann

Ein Erwachsener benötigt eine Vitamin B12-Menge von rund 3,0 Mikrogramm (µg) täglich.1 Schwangere oder stillende Frauen dagegen brauchen mehr Cobalamin, da sie das Baby mitversorgen müssen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt folgende Werte (pro Tag):

  • Schwangere: 3,5 µg
  • Stillende: 4,0 µg

Aus diesem Grund weisen viele Ärzte schwangere und stillende Frauen darauf hin, den erhöhten Bedarf mithilfe von B12-Präparaten aus der Apotheke zu supplementieren. Ein Mangel könnte das Baby in seiner Entwicklung beeinträchtigen und schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel Wachstums- und Entwicklungsstörungen nach sich ziehen.

Schon gewusst?

Auch Alkoholismus gilt als potenzielle Ursache eines Vitamin B12-Mangels, denn der Alkohol beeinflusst den B12-Stoffwechsel beziehungsweise vor allem den Homocystein-Wert. B12 hilft dabei, diese Aminosäure zu verstoffwechseln. Geschieht das nicht, sammelt sich das Homocystein an und kann gesundheitliche Folgen haben. So steht es im Verdacht, an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz beteiligt zu sein. Ein hoher Alkoholgenuss führt somit zu einem erhöhten B12-Bedarf. Einen ähnlichen Effekt auf den Homocystein-Spiegel haben übrigens der hohe Konsum von Kaffee (ab vier Tassen täglich)2 und das Rauchen.

Außerdem führen Schädigungen der Leber aufgrund von zu viel Alkohol dazu, dass das Cobalamin nicht mehr in ausreichender Menge gespeichert wird (die Leber ist ein B12-Depot).

Auch in stressigen Zeiten ist eine erhöhte Zufuhr empfehlenswert, um einen Vitamin B12-Mangel zu vermeiden: Sogenannter nitrosativer Stress zählt ebenso zu den möglichen Ursachen einer Unterversorgung. Dabei werden vermehrt Stickstoffmonoxid-Radikale gebildet, welche unter anderem die DNA schädigen und Krankheiten hervorrufen können. Vitamin B12 fungiert als Fänger dieser Radikale. Je mehr Stress Sie haben, desto mehr B12 wird also benötigt. Infolgedessen steht dem Körper weniger B12 für seine anderen wichtigen Aufgaben zur Verfügung – beispielsweise für die Zell- und Blutbildung sowie für die Funktion von Nerven und Gehirn. Eine Supplementierung in besonders langen, belastenden Lebensphasen macht demnach durchaus Sinn.

3. Resorptionsstörung durch Krankheiten

Wenn die Aufnahme von B12 im Darm (Resorption) beeinträchtigt ist – obwohl ausreichend Cobalamin zugeführt wurde – spricht man von einer Resorptionsstörung. Normalweise wird das Vitamin B12 mithilfe von Transportproteinen zur Darmschleimhaut befördert, wo der Nährstoff letztendlich aufgenommen wird. Ursache für eine Resorptionsstörung ist unter anderem ein Mangel der Transportproteine Haptocorrin und Intrinsic Factor. Ihre signifikant reduzierte oder komplett fehlende Produktion liegt wiederum häufig gesundheitlichen Problemen zugrunde. So können Erkrankungen dazu führen, dass der wichtige Intrinsic Factor im Magen nicht mehr gebildet wird. Zu den möglichen Krankheiten zählen:

  • gastrointestinale Erkrankungen (den Magen und Darm betreffend): zum Beispiel atrophische Gastritis oder Morbus Crohn
  • unzureichende Darmgesundheit: etwa durch Bakterien, Entzündungen, Pilze, Parasiten, gestörte intestinale Mikrobiota (Darmflora)
  • Krankheiten der Leber: wie Leberschäden – denn die Leber ist ein körpereigener B12-Speicher

Die sogenannte perniziöse Anämie tritt häufig als Folge eines unbehandelten und über Jahre hinweg bestehenden Vitamin B12-Mangels auf. Die Erkrankung gilt aber auch als Endstadium einer entzündlichen Magen-Autoimmunerkrankung. Dabei werden die Zellen im Magen durch körpereigene Antikörper zerstört. Das wiederum beeinflusst die Produktion des Intrinsic Factors und fördert somit einen Vitamin B12-Mangel.

Was ist ein Malabsorptionssyndrom?

Bei einem Malabsorptionssyndrom handelt es sich um eine Störung der Aufnahme von Lebensmittelnährstoffen – das heißt im konkreten Fall, dass Cobalamin aus dem Speisebrei nicht freigesetzt werden kann. Häufig tritt das Malabsorptionssyndrom in Verbindung mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts auf.

4. Erblich bedingte Auslöser einer Unterversorgung

Auch Gendefekte zählen zu den möglichen Ursachen eines Vitamin-B12-Mangels – allerdings eher selten. Sie stören den Transport oder den Stoffwechsel von Cobalamin. Mögliche erbliche Auslöser sind:

  • Angeborener Transcobalamin-Mangel: Diese genetische Transport- oder Resorptionsstörung führt zu einer Vitamin B12-Unterversorgung aufgrund einer mangelnden Bildung des Transportproteins Transcobalamin.
  • Selektive Cobalamin-Malabsorption: Die sogenannte Imerslund-Gräsbeck-Erkrankung äußert sich in Form eines Defekts am Intrinsic Factor-Cobalamin-Rezeptor. Er verhindert die Aufnahme von B12 im Darm.

Solche Gendefekte machen sich meist bereits Tage oder Wochen nach der Geburt bemerkbar, wenn der Säugling Entwicklungsverzögerungen aufweist.

– Anzeige –

b12-ankermann-vital

– Anzeige –

b12-ankermann-vital

5. Medikamente als Ursache für Vitamin B12-Mangel

Auch bestimmte Medikamente gelten als mögliche Ursache eines Vitamin B12-Mangels, da sie den Homocystein-Wert im Blut ansteigen lassen, die B12-Aufnahme hemmen oder den B12-Stoffwechsel beeinflussen. Verantwortlich können sein:

  • Diuretika (Entwässerungsmittel)
  • Lipidsenker (bei hohen Cholesterinwerten)
  • Antiepileptika (Krampflöser)
  • Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen)
  • Antiasthmatika (Behandlung von akuter Atemnot)
  • Antidiabetika (für Patienten mit Diabetes mellitus)
  • Antazida (neutralisieren Magensäure)
  • L-DOPA (Anti-Parkinson-Mittel)
  • Narkotika (Lachgas)

Lachgas (Distickstoffmonoxid) hemmt den Homocystein-Abbau, indem es unter anderem das Cobalamin deaktiviert und ist somit eine Ursache von Vitamin-B12-Mangel, die meist übersehen wird. Wenn Sie zum Beispiel häufig eine Zahnarztbehandlung mit Lachgas erhalten, dann empfiehlt sich möglicherweise die Einnahme von speziellen B12-Präparaten aus der Apotheke, um einer Unterversorgung entgegenzuwirken.

Wichtig!

Bevor Sie Mittel zur B12-Supplementierung zeitgleich mit anderen Medikamenten einnehmen, sollten Sie das vorher unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Monika Hortig
Medizinredakteurin
E-Mail schreiben